Ritter
des Mercedarierordens
(Real Compagnia di Santa Maria della Mercede)
1181 wurde im Languedoc St. Petrus Nolascus,
Mitstifter und erster Generalmagister des Ordens unserer Lieben
Frau vom Loskauf der Gefangenen (24. September: Festum B.M.V.
de Mercede), des Mercedarierordens, geboren und von dem seligen
Zisterzienserabt Gottfried von Toulouse erzogen, bevor er das
Leben eines Ritters führte. Die furchtbare Lage der
Christen, die in Südfrankreich, Spanien, Portugal,
Italien und Nordafrika unter der Herrschaft der Saracenen
schmachteten, ihre Not, ihr Elend und vielfache Mißhandlungen
christlicher Sklaven erweckten schon in der Kindheit
des hl. Petrus Nolascus tiefstes Mitleid.
Die Ausbreitung des
Islams im Heiligen Land und in Nordafrika, wo allein über
500 Bistümer, darunter das des hl. Augustinus, vernichtet wurden,
hatte längst auf die Mittelmeerinseln und Europa übergegriffen.
Fast die gesamte iberische Halbinsel war besetzt worden,
nur einige gotische und baskische Kleinreiche konnten sich gegen
die islamische Unterdrückung unter dem "Kalifen von
Cordoba" halten. Die unter unendlichen Opfern erlangte
christliche Wiedereroberung Spaniens, die Reconquista, an
der sich die Mercedarier aktiv beteiligt haben, begann schon
im 8. Jahrhundert und dauerte etwa bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
an. Erst in Lepanto und später noch einmal vor Wien wurde
der Ansturm des Islams auf das christliche Abendland gebremst.

Habit der Gratialritter (Cavalieri di Grazia)
Die
Geschichte der islamischen Ausbreitung, der Reconquista,
der Kreuzzüge und des Rittertums sind eng miteinander
verflochten, so gelang die Rückeroberung Lissabons
1147 nur mit Hilfe einer von Köln her "vorbeikommenden" Kreuzfahrerflotte
des 2. Kreuzzuges. Zisterzienser und geistliche Ritterorden
führten keine Angriffs- und Eroberungskriege gegen
die Muslime, sie bildeten die christliche Gegenwehr gegen
eine gewalttätige Ausbreitung des Islams, welcher die christliche
Bevölkerung mit "Feuer und Schwert", gezielter
Entrechtung, Ausplünderung und Sklaverei zum Glaubensabfall
nötigte.
Gerührt von dem Schicksal Hunderttausender christlicher
Sklaven entschloß sich Petrus Nolascus nach dem frühen
Tode seiner Eltern, sein Ritterschwert zu Füßen der
Madonna von Montserrat niederzulegen und alle seine Güter
zum Loskauf christlicher Sklaven zu verwenden.
Bald sammelte er so viel Geld von frommen Spendern, daß er
sich entschloß, einen religiösen Orden zu stiften,
dessen besondere Aufgabe der Loskauf christlicher Sklaven sein sollte. Seit 1192 gab es in Katalonien eine Kongregation
von Priestern und Edelleuten, welche den Kranken in den
Hospitälern diente, die Gefangenen besuchte und Spenden
zum Loskauf christlicher Sklaven sammelte und gleichzeitig
die Küste des Mittelmeeres gegen die ständigen Angriffe
der Mauren und Sarazenen verteidigte. Nach einer authentischen
Marienerscheinung vereinigten sich diese katalonischen Hospitaliter
mit Getreuen des hl. Petrus Nolascus 1218 zum Heiligen Königlichen
und Militärischen Hospitaliterorden Unserer Lieben
Frau vom Loskauf der Gefangenen (Sacro / Celeste Reale
e Militare Ordine Ospitaliero di Nostra Signora della Mercede) , der auf den Rat des heiligen Raymund hin auch
Priester für die Seelsorge an den Rittern und den zu befreienden
Sklaven aufnahm. St. Raymund von Peňaforte, berühmter
Professor des Kirchenrechts und Beichtvater des Heiligen Vaters,
war Organisator der Mauren- und Judenbekehrung und regte St.
Thomas von Aquin zur Abfassung der "Summa contra gentiles" (eigentlich
eine Anleitung zur Missionspredigt bei den Muslimen) an,
denn sein und des Mercedarierordens Ziel war natürlich auch die Bekehrung
der Muslime zum katholischen Glauben.
Zur offiziellen Ordensgründung und ersten feierlichen Investitur
1218 am St. Laurentius - Tag kam es, nachdem die Muttergottes
in der Nacht auf den 2. August gleichzeitig Petrus Nolascus,
dem König Jakob I. von Aragon und Raymund von Peňaforte,
seinem Beichtvater, erschienen war. Raymund von Peňaforte
und König Jakob führten Petrus Nolascus in die
Kathedrale vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem, wo er vor dem Erzbischof
von Barcelona neben den drei Ordensgelübden noch ein viertes
ablegte, nämlich sich dem Loskauf der christlichen Sklaven
zu weihen und dafür auch sein eigenes Leben als "Lösegeld" anzubieten.
Nach der Bestätigung als königlicher Ritterorden
(Real Compagnia) folgte noch im Gründungsjahr die Bestätigung
Papst Honorius' III. als geistlicher Ritterorden. 1235 ließ Papst
Gregor IX. eine Bestätigungsbulle folgen und erlaubte das
Ordensleben nach der Augustinerregel. Ununterbrochen
seit 1218 tragen - auf Wunsch ihres königlichen
Protektors und Mitbegründers - die Ritter wie die Priester
des Mercedarierordens auf ihrem Habit das königlich-aragonesische Wappen
mit Krone und Ritterkreuz.

Habit eines Devotionsritters (Kukulle)
Jakob I. führte im Auftrag des Hl. Vaters 72 Schlachten
gegen die Mauren, befreite Papst Gregor IX., assistierte 1274
beim Konzil von Lyon und zog sich nach 75jähriger Regentschaft
zur Vorbereitung seines heiligmäßigen Todes unter
Fasten, Gebet und Bußübungen in die Zisterzienserabtei
von Poblet in Katalonien zurück. Sein Vater, Peter der Katholische,
wurde 1204 von Papst Innozenz III. zum päpstlichen Vasallen
gekrönt.
Zuletzt
hat Alfons XIII. 1934 den Mercedarierorden mit allen Privilegien
eines Ritterordens versehen und seine Gemahlin ließ sich – wie
viele andere Fürstinnen vor ihr auch – in dem Habit
einer Dame des Mercedarierordens beerdigen. Spätestens
jetzt wird klar, warum der Ritterorden traditionell "real(e)" und "militare",
d.h. königlich und militärisch hieß, auch
wenn der Orden in
einer Zeit, in der z. B. der frühere Deutsche (Ritter-)Orden
zu einem reinen Klerikerorden umgewandelt wurde – auf Wunsch
des Vatikanes seit ca. 1936 offiziell darauf verzichtet.
Nach der Einnahme von Valencia und dem 1232 über die Mohammedaner
errungenen Sieg ließ König Jakob dem Orden in Barcelona
eine prachtvolle Kommende erbauen; denn in dem aussichtslos scheinenden
Kampf gegen die Mauren hatte der König vor allem auf
das Gebet des Ordensgründers (St. Petrus Nolascus) vertraut! Diese Mercedarierkommende
war St. Eulalia, der Patronin Barcelonas, geweiht.
Die Priester und Ritter des Mercedarierordens befreiten
Hunderttausende Sklaven; schon in einer Päpstlichen Bulle aus dem 14. Jahrhundert liest man von 70.679 befreiten christlichen Sklaven. Sie
leisteten Gefangenenseelsorge und gaben – oft unter Darbietung
des eigenen Lebens – Beispiele der Nächstenliebe,
indem sie sich als "Ersatzgeiseln" bzw. "Ersatzsklaven" anboten.
Durch
sein und der Mercedarier Beispiel hat St. Petrus Nolascus viele
muslimische Fürsten, Sultane, Emire und hohe
Beamte zur Konversion zum katholischen Glauben veranlaßt;
einer der Heiligen des Ordens, ein bekehrter Muslim, behielt bis zu seinem Martyrertod
den Namen Mahumet bzw. Mohammed bei.

Mercedarierritter bei einer feierlichen Investitur in Rom
Die Mitgliedslisten
des Mercedarierordens verzeichnen ca. 4.000 Heilige, Selige und
Venerabiles – neben seinem Gründer auch St. Raymundus
Nonnatus, der 1239 Kardinal wurde, 1.553 Martyrer, zahlreiche
Gelehrte, Bischöfe und Kardinäle. Bis heute gehören
zu den Aufgaben des Mercedarier Ordens die Missionsarbeit, die Jugenderziehung
sowie die Seelsorge an Gefangenen und Armen zur Förderung der
Gesundheit des Leibes und zum Heil der Seelen.
Bis in das 2. Jahrhundert seines Bestehens
war der Orden ein reiner Ritterorden, dem aber von Anfang an
auch Priester angehörten. Als Papst Johannes XXII. 1318
zu Avignon
einen Abt bzw. Bischof als Generalmagister vorschrieb, traten
viele Ritter aus dem offiziellen Ordensverband aus, die
meisten schlossen sich dem gerade entstehenden Ritterorden
Unserer Lieben Frau von Montesa an; da aber
die Hochmeisterwürde des Ritterordens von Montesa seit Änderung
der Statuten 1587 an den jeweiligen König von Spanien überging,
degenerierte dieser Orden zu einem bloßen Verdienstorden. Einige wenige Mercedarier
bestanden in Spanien und Italien selbständig fort.
Die Mercedarierpatres waren nach vorübergehender Trennung
von den Mercedarierrittern, die der Tradition treu blieben und
nicht zu anderen Orden wechselten, zunächst regulierte Chorherren
und seit dem 17. Jahrhundert Mendikanten; der Ordenszweig der
Mercedarierritter lebte, insbesondere in Spanien und Italien,
ununterbrochen fort, bis es durch feierliche Unterzeichnung eines
Dekrets des Generalmagisters des Mercedarierordens 2002 zu einer
offiziellen Wiedervereinigung der zeitweilig selbständigen
Ritter mit dem Klerikerzweig des Mercedarierordens kam. Der Ritterzweig
des Ordens (die Real Compagnia di Santa Maria della Mercede),
der – als Mitglieder eines zweiten Standes – auch
Priester aufnimmt, besteht zur Zeit weltweit aus etwa 500 Rittern
und Damen.

S.E. der Grosskanzler Baron Don Beniamino Sorbera de Corbera und
S.D. der Hochmeister des Ordens Dr. Don Luigi LoVecchio
Sitz des Ordens ist Rom, ein zweiter
Sitz und der Sitz des Großkanzlers der Ritter befand sich bis 2006 in der Bischofs- und Universitätsstadt Catania – unweit
einer königlich-aragonesischen Basilica minor, wo sich noch
ein eigener Thronsaal (Saletta del Trono) für den Hochmeister
befindet. Die Ritter tragen Ordensgewänder aus ungebleichter
Wolle mit dem aragonesischen Königswappen und einem Ritterkreuz,
die wenigen Devotionsritter (Profeßritter mit besonderen
Gebetsverpflichtungen, wie sie sonst nur Priester kennen, z.
B. Breviergebet), tragen während der hl. Messe und anderer
Gottesdienste ein geistliches Gewand, die Kukulle).
Feierliche Investituren der Mercedarierritter
finden stets einmal im Jahr in der Ewigen Stadt statt. In der Nacht
vor der feierlichen Investitur begehen die Postulanten in Anwesenheit
der Priester und Ritter noch heute die Liturgie der Veglia d' Armi (Schildwache/Waffenleite), in deren Verlauf wichtige Ereignisse
der Heilsgeschichte von der Genesis über den Exodus bis
zum Erlösertode Christi am Kreuz meditiert werden. Die Investitur
nimmt der Generalmagister gemeinsam mit dem Hochmeister oder
dessen Statthalter (Luogotenente) und dem Großkanzler des
Ritterzweiges vor.

S.E. der Grosskanzler wärend der Veglia d' Armi
Der Orden mit seiner achthundertjährigen
Tradition ist keine Neugründung, möchte sich nicht
an den vielen Aufbrüchen, Experimenten etc. der letzten Jahrzehnte
beteiligen und weiß sich in Fragen der Liturgie, Spiritualität
und Grundeinstellung, dem überlieferten Lehramt und der
Tradition der heiligen Kirche und dem ersten Generalmagister,
dem Ritter, Freund der Armen, Missionar und Glaubenstreiter St.
Petrus Nolascus in Treue verpflichtet.
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