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Der Königliche Orden vom Flügel des Heiligen Michael

Real Ordem de São Miguel da Ala

König Alfonso I., der Sohn von Heinrich von Burgund und von Theresia von Kastilien, hatte sich bei der Eroberung des islamischen Lissabons im Jahre 1147 auf einen Ritterbund gestützt, der seinen Sitz in Coimbra und Evora hatte. Dieser Ritterbund lebte nach der Ordensregel der Zisterzienser und nannte sich, nachdem ihm im Jahre 1166 König Alfonso I. die Burg und Stadt Avis geschenkt hatte, Ritter vom Orden von Aviz.

Nach dem Vorbild des Ordens von Aviz errichtete König Alfonso I. im Jahre 1172 den königlich-portugiesischen Orden vom Flügel des Heiligen Michael, dessen Statuten von Papst Alexander III. genehmigt wurden. Anlass dazu war der Sieg, den König Alfonso I. im Jahre 1147 bei Santarem errang, als er vom König von León und den Mauren bedroht wurde. Der Legende nach hatte der Erzengel Michael in das Kampfgeschehen eingegriffen, als sein geflügelter Arm mit dem Schwert am Himmel erschien. In Wahrheit waren sie Zeugen eines aussergewöhnlichen Kometen mit einem feurigen Schweif ähnlich der Form eines Flügels, der an der Sonne vorbeizog.

Den himmlischen Flügel in der Sonne mit dem Motto „Quis ut Deus" wählte Alfonso I. als Abzeichen für den Orden, den er gründete, als er sich nach der Schlacht im benachbarten Zisterzienserkloster Alcobaça mit seinen Gefolgsleuten, einer Gruppe von Rittern des Jakobsordens (Santiago-Ritter) traf, um ihnen für deren Unterstützung bei Santarem zu danken. Diese Ordensritter bildeten fortan die Leibgarde des Königs und unterstanden der Jurisdiktion des Zisterzienser Abtes von Alcobaça. Der Schutzpatron der Jakobsritter war der Heilige Michael, was das Schwertkreuz (Glevenkreuz) dieses Ordens erklärt. Die beiden Lilien am Kreuz symbolisieren die Ordensregel der Zisterzienser. Der Orden vom Flügel des Heiligen Michael ist einer der sieben Orden, die während Jahrhunderten sowohl in Portugal wie in Spanien unter der Jurisdiktion der Zisterzienser standen. Die andern sechs dieser Orden waren Malta, Calatrava, Alcantara, Montesa, Aviz und Cristo. 1630 hatten die Zisterzienser die alte Ordensverfassung veröffentlicht und noch einmal bekräftigt, dass der Orden der Jurisdiktion des Abtes unterstehe und dass der König von Portugal das Grossmeisteramt bekleide.

Miguel I. König von Portugal, 1828-1834

Als in Portugal 1834 w ährend des Kampfes zwischen den Anhängern der absoluten und jenen der konstitutionellen Monarchie die Zisterzienser und alle konservativen Orden des Landes verwiesen wurden, gründete 1848 der ebenfalls exilierte aber nicht abgedankte König Miguel I. mit Erlaubnis der Päpste Gregor XVI. und Pius IX. den Orden vom Flügel des Heiligen Michael neu. Sein Zweck war es, als geheimer Militärorden den Kampf gegen die anti-klerikalen Kräfte und für die Wiederherstellung der absoluten Monarchie in Portugal zu führen. Diese Aktivität wurde vom Papst allerdings bald unterbunden. Der Orden blieb aber weiterhin als dynastische Ehrendekoration bestehen und gehörte auch nicht zu jenen königlichen Orden, die nach der Revolution von 1910 von der Portugiesischen Republik verstaatlicht wurden.

Bis 1981 getragene Version des Ordenskreuzes.

Die Farben des Ordensbandes waren zwischen 1848 und 1981 rot und blau. Diese stellen die Farben des Hauses Braganza in Kriegszeiten dar. Der Herzog von Braganza und Thronprätendent von Portugal, Dom Duarte Pio, wollte den Orden auf seinen Ursprung als religiösen Ritterorden zurückführen und ersetzte die Militärfarben durch ein rotes Band, welches die einstige Zugehörigkeit zum spanischen Jakobsorden versinnbildlicht. Auch entfernte er die Krone über dem roten Glevenkreuz und führte den weissen Ordensmantel ein. 1986 bekräftigte der Herzog sowohl gegenüber dem Heiligen Stuhl als auch gegenüber der portugiesischen Republik, dass er, der direkte Nachkomme von König Miguel I., sich nicht nur als Grossmeister des Ordens vom Flügel des Heiligen Michael betrachte sondern auch des Ordens Unserer Lieben Frau von der Empfängnis von Villa Visiosa und dass er sich das Recht vorbehalte, diese Orden als persönliche Anerkennung des Hauses Braganza zu verleihen. Dom Duarte wird in Portugal als Vertreter der königlichen Dynastie anerkannt und zur Teilnahme an offiziellen Feierlichkeiten eingeladen. Dabei werden ihm seine königlichen Titel zugestanden. Ebenso ist es in Portugal erlaubt, seine Orden auf Militäruniformen zu tragen.

Der Grossmeister Dom Duarte Pio, Herzog von Braganza

1990 liess der Herzog die Statuten revidieren, um sie an diejenigen der andern Königlichen Bruderschaften in Portugal anzupassen. Als Grundlage dienten die Statuten der Königlichen Bruderschaft des Heiligen Eucharistie-Wunders von Santarem von 1266, die der Bischof 1997 erneuerte. Auf diese Weise entstand die Königliche Bruderschaft des Ordens vom Flügel des heiligen Michael, eine gesellschaftliche Vereinigung für jene, die mit diesem Orden ausgezeichnet oder als Ritter investiert wurden. Diese Statuten ersetzen diejenigen von 1630, 1848 und 1981 und wurden per Dekret vom 10. Juni 2001 vom Herzog bestätigt und den Bischöfen von Lissabon, Leiria und Santarem vorgelegt, in deren Diözesen der Orden gesellschaftlich aktiv ist.

Die Bischöfe waren jedoch der Ansicht, dass es keiner kirchlichen Anerkennung bedürfe, da die Bruderschaft eine private Vereinigung sei, die dem Königlichen Hausorden des Heiligen Michael gehöre. Es handle sich um einen dynastischen Orden basierend auf katholischer Tradition ähnlich dem Annunziaten-Orden, dem Orden Mauritius und Lazarus oder dem Orden Vila Visiosa. Auch diese Orden haben Bruderschaften als der gesellschaftlich aktive Teil in Ergänzung zur Ordensdekoration und Titelverleihung. Der Orden wird nur über diese Königliche Bruderschaft verliehen und die Kandidaten exklusiv vom Hause Braganza, unabhängig vom portugiesischen Parlament, ausgesucht.

Die Insignie ohne Krone ist das Zeichen des Ordens und der Mantel das Symbol der kgl. Bruderschaft. Wer den Orden nur als Auszeichnung erhält und nicht der Bruderschaft angehört, erhält die Insignie nach altem Stil mit Krone und rot-blauem Band. Ansonsten ist die Krone nur dem Chef des Hauses Braganza und seinem Rat vorbehalten.

Zur Bildung von Kommenden (Delegationen) im Ausland bedarf es eines königlichen Dekretes und einer bischöflichen Genehmigung sowohl von Fatima als auch vom örtlichen Prälaten. Bisher bestehende Kommenden sind Belgien (The Holy Blood Commandry), Italien (The Saint Anthony of Lisbon Commandry) und Russland (The Saint Czar Nicholas II Commandry). Der Delegierte eines Landes muss ein örtlicher Priester sein und mindestens drei Jahre Mitglied. Jede Kommende hat zudem einen königlichen Schirmherrn in der Person eines Mitgliedes eines königlichen Hauses, vorzugsweise aus dem selben Land. Mitglieder von Ländern ohne Kommenden gehören als Foreign Commandry zur Fatima International Prayer Commandry mit Sitz in Fatima. Sie unterstehen dem Grosskanzler.

Geschichte Portugals

Die Gründung des portugiesischen Staates begann während der Reconquista im 8. Jahrhundert in Asturien. Graf Heinrich von Burgund heiratete die Tochter des Königs von León und betrieb als Herrscher über das Land die Loslösung aus dem Reichsverband León und Kastilien. Das erreichte sein Sohn Alfonso 1128 in der Schlacht bei Guimaraes. Ihm gelang es, im Jahre 1139 die Mauren mit bei Ourique zu schlagen und 1147 Lissabon zu erobern. Damit hatte er der arabischen Herrschaft auf der iberischen Halbinsel ein Ende gesetzt. Unter Alfonso III. begann im 13. Jahrhundert die territoriale Ausdehnung Portugals. Heinrich der Seefahrer schuf die Voraussetzungen für die portugiesische Seemacht und das portugiesische Kolonialreich. Bartolomeu Diaz umfuhr 1487/88 das Kap der guten Hoffnung und Dom Vasco da Gama entdeckte 1497/98 den Seeweg um Afrika nach Ostindien. Pedro Alvárez Cabral besetzte 1500 die Ostküste Brasiliens. Damit war das Königreich Portugal im 15. und 16. Jahrhundert zu einer führenden See- und Kolonialmacht geworden. Ohne die christlichen Ritterschaften wären aber die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufschwung und die Entfaltung der Kultur Portugals nicht gegeben gewesen. Auch die portugiesische Kunst ist erst seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts, parallel zur Entwicklung der adeligen und geistlichen Ritterorden, erfassbar. Die Gründungskirche des Sankt Michael Ritter-Ordens und Abteikirche von Alcobaça entstand im burgundisch-zisterziensischen Stil, die Abteikirche von Batalha unter dem Einfluss der französischen Gotik. Die portugiesische Literatur erreichte im 13./14. Jahrhundert ihre erste Blüte. Das Aussterben der königlichen Familie (das Haus Aviz) im Jahr 1580 führte zur Personalunion mit dem spanischen Königshaus unter den Habsburgern und dem Verlust der Eigenständigkeit Portugals. Erst 1640 konnte sich das Königreich (Haus Braganza) mit englischer Hilfe daraus befreien. Während dieser Zeit aber hatte Portugal die Führung auf den Weltmeeren verloren. Der Abstieg als Weltmacht wurde vom schweren Erdbeben des Jahres 1755 begleitet, das die Hauptstadt Lissabon vollständig zerstörte (Wiederaufbau unter Marquis von Pombal). Ein Desaster hinterliessen auch die napoleonischen und britischen Truppen im Land. Die von den Franzosen eingebrachten liberalen Ideen führten zur Spaltung der Gesellschaft in Absolutisten und Konstitutionalisten. Auch das Königshaus war gespalten. Schliesslich musste Portugal 1822 seine bedeutendste Kolonie Brasilien unter Pedro Braganza als Kaiser in die Unabhängigkeit entlassen. Die afrikanischen Kolonien hingegen wurden weiter ausgedehnt. Das konnte aber die stetig sich verschlechternde Wirtschaft Portugals nicht verhindern. Die einstigen Konstitutionalisten spalteten sich in einen linken und einen rechten Flügel.

Manuel II. letzter König Portugals 1908-1910

Damit einher gingen politische Instabilität und Bürgerkrieg, was 1908 zum Attentat auf den König und 1910 zur Revolution führte. Portugal wurde Republik. Ständig wechselnde Regierungen und häufige Neuwahlen des Parlaments destabilisierten allerdings diese Republik, was 1926 zum Militärputsch des Generals da Costa führte. Sechs Jahre später gelangte António de Oliveira Salazar an die Spitze. Er errichtete ein ständisch-autoritäres Regime ähnlich der Militärdiktatur Francos in Spanien aber ohne faschistische Ideologie. Unter seiner Führung blieb Portugal während des Spanischen Bürgerkrieges und des Zweiten Weltkrieges neutral. Nach seinem Tod 1968 gelang es nicht, die Bedürfnisse nach mehr Freiheit zu stillen. Erst nach dem linken Militärputsch von 1974 wurde Portugal eine Demokratie nach westlichem Zuschnitt.

rvs

Referenz:

A Real Irmandade de São Miguel da Ala, Carlos Evaristo, Fundação Histórica-Cultural Oureana; Dom Duarte e a Democracia, Uma Biografia Portuguesa, Mendo Castro Henriques, Bertrand Editora 2006

 

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Die existierenden Ritterorden in Deutschland