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Der Ritterorden des Heiligen Stephan

Der Militärische Orden des Hl. Stephan, Papst und Märtyrer ist ein toskanischer Ritterorden. Er wurde von Cosimo I. von Medici 1561 zur Erinnerung an seinen glorreichen Sieg über die von Marschall Strozzi angeführten Franzosen in der Schlacht von Marciano (sowie Montemurlo und Scanagallo) am 2. August (Stephanstag) des Jahres 1554 gestiftet. 1562 wurde er unter der Regel des hl. Benedikt von Papst Pius IV. bestätigt. Auf diese Weise war der Orden als eine religiöse Gründung abgesichert und konnte von keiner weltlichen Organisation ohne Zustimmung des Heiligen Stuhls aufgelöst werden. 1567 ernannte Papst Pius Cosimo zum Grossherzog von Toskana mit der Souveränität über Florenz, Lucca, Pisa, Siena. Beim Aufbau des Staates diente der Orden als Bindeglied zwischen den Medicis und dem Adel sowie dem Unterhalt der Flotte, die von ihren Offizieren, den Rittern des Stephanordens, mitfinanziert wurde. Ferner unterstützte er die katholische Kirche und nahm auch Klosterfrauen in den Orden auf. Der Sitz des Ordens war zunächst Elba, dann Pisa.

Cosimo I. von Medici

Der militärische Zweck des Ordens war der Schutz des Levantehandels und die Bekämpfung der afrikanischen Piraten und ottomanischen Türken auf dem Mittelmeer, die im 16. Jahrhundert auch die Küsten des Tyrrhenischen Meeres verunsicherten. Die Ritter des Ordens eilten 1565 dem belagerten Malta zu Hilfe, nahmen 1571 an der Seeschlacht bei Lepanto teil und waren 1582 an der Einnahme von Annaba an der Küste Algeriens beteiligt, 1585 bei Monastero, 1599 bei Chios und 1604 in Dalmatien, Negroponte und Korfu. 1607 eroberten ihre Schiffe die algerische Hafenstadt Bona. Nach 1640 ging das militärische Engagement wegen der hohen Kosten und sinkenden Handelseinnahmen zurück. Die meisten Schiffe wurden verkauft und gingen an Frankreich. Nachdem 1668 mit den Ottomanen ein Vertrag geschlossen wurde, um den Levantenhandel zu sichern, beschränkte sich der Orden auf die Küstenverteidigung, unterstütze aber 1678 und 1684 die Republik Venedig entlang der Albanischen Küste gegen die Türken und bei der Einnahme von Prevezza und Santa Maura. Die letzte Aktion gegen die Osmanen fand 1719 statt. Während ihrer militärischen Glanzzeit hatten die Ritter von St. Stephan viele Tausende von Christen aus türkischer Gefangenschaft befreit.

Der letzte Grossherzog aus der Medici Familie machte Herzog Franz von Lothringen, der nachmalige Kaiser und Ehemann von Maria Theresa, zu seinem Nachfolger als Grossmeister des Stephanordens. Infolge des polnischen Erbfolgekrieges hatte dieser das Herzogtum Lothringen gegen die Toskana getauscht. Unter seinem Sohn Grossherzog Leopold kamen die verbliebenen Kriegsschiffe des Stephanordens noch einmal zum Einsatz, als sie 1773 bei Espartel die Marokkanische Flotte besiegten. Danach reorganisierte Grossherzog Leopold den Orden, reduzierte die Privilegien und machte ihn zu einer Bildungsakademie für den Toskanischen Adel. Als Leopold selber Kaiser wurde, übergab er 1791 die Toskana seinem Sohn Ferdinand III. Als Napoleon 1799 das Grossherzogtum besetzte, musste Ferdinand abdanken. Die Toskana wurde von 1801 bis 1807 unter dem ehemaligen Herzog von Parma zum Königreich Etrurien. Der St.-Stephans-Orden überlebte zwar als religiöse Vereinigung, wurde aber 1809 vom bonapartistisch gewordenen Grossherzogtum unterdrückt.

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Ferdinand III.

Nach dem Sturz Napoleons wurde Ferdinand III. 1814 wieder als Grossherzog bestätigt und ein Jahr später auch der St.-Stephans-Orden neu konstituiert. Gleichzeitig erneuerte er den seit 1514 bestehenden St.-Josephs-Orden, den er 1807 als Grossherzog von Würzburg neu gestiftete hatte. Dieser Verdienstorden ist der zweite Orden der Toskana und wird auch an Ausländer verliehen. 1824 wurde Grossherzog Leopold II., ein populärer und fortschrittsfreundlicher Monarch, Grossmeister des Ordens. Im politischen Chaos von 1848 musste er ins Königreich Neapel seines Schwagers in die Festung Gaeta (kommandiert vom Schweizer General Felix von Schumacher) fliehen, wo auch Papst IX. Schutz gesucht hatte. 1859 wurde die Toskana vom König von Sardinien-Piemont annektiert, der Staat aufgelöst und der Besitz des Stephanordens konfisziert. Die grossherzogliche Familie verliess unter grosser Anteilnahme des Volkes das Land. Den Orden auflösen konnte die neue Regierung aber nicht. Dazu hätte es der Einwilligung des Papstes gebraucht. Ausserdem war der Orden an das Haus Medici als Herzöge von Florenz gebunden und unterstand nicht der toskanischen Souveränität.

Leopold II.

Die Familie des Grossherzogs zog sich auf seine Besitzungen in Österreich zurück, wo der Orden noch bis 1908 verliehen wurde. Der Erste und Zweite Weltkrieg verhinderten aber eine weitere Erneuerung. Zwischen 1942 und 1970 wurde der Orden von den Nachfolgern Leopolds II. nur viermal verliehen und bis 1984 gab es gar keine Verleihung.

Bruststern eines Justizritters

Erst unter Grossherzog Leopold, der sein Grossmeisteramt 1984 angetreten hatte, begann die Reorganisation und Vereinfachung des Stephanordens. 1985 besuchte er Florenz, wo er von der Bevölkerung begeistert begrüsst wurde. Die Chancen für eine Unabhängigkeit der Toskana sind jedoch gering. Aus familiären Gründen (seine Ehe wurde geschieden, was mit den Statuten des römisch katholischen Stephanordens unvereinbar war) trat er sein Amt schon 1993 an seinen ältesten Sohn Erzherzog Sigismund ab. Sigismund von Österreich trägt jetzt den Titel eines Grossherzogs von Toskana. Er ist der Chef des Toskanischen Zweiges des Hauses Habsburg-Lothringen und Grossmeister der Orden St. Stephan und St. Joseph. Er ist vermählt mit Elyssa Juliet Edmonstone of Duntreath.

Grossherzog Sigismund von Toskana

Der Orden wird immer noch selten verliehen und geht meistens an führende Angehörige des Toskanischen Adels. Seine heute etwa 80 Mitglieder üben nicht mehr die Funktionen aus, die dem Orden einst seine militärische und religiöse Bedeutung gegeben haben, und es besteht auch nicht mehr jenes komplexe System von Rechten und Pflichten, die mit finanziellen Zuwendungen und Nutzniessungen verbunden waren und bei dem sich die Einkaufssumme nach dem Grad des Adelsnachweises richtete. Trotzdem ist der Orden immer noch in Klassen eingeteilt und gilt der Adelsnachweis als eine wichtige Voraussetzung. Grossherzog Sigismund ist bestrebt, die Reformen weiterzuführen. Da das Ordensvermögen schon zweimal (1799 und 1859) konfisziert worden war und die beiden Weltkriege den Orden weitgehend lahmlegten, wird heute von seinen Mitgliedern eine gewisse Grosszügigkeit erwartet.

Grosskreuz eines Justizritters

Das Ordenszeichen des St.-Stephan-Orden ist ein goldenes, dunkelrot emaillirtes Johanniterkreuz mit je einer goldenen Lilie in den vier Kreuzeswinkeln und einer darüber schwebenden goldenen Königskrone für Ehrenritter bzw. einer Krone mit Kriegstrophäen für Justizritter. Es wird an einem roten Band getragen. Das Tragen der Insignien wird von der italienischen Republik gestattet.

Das Ordenszeichen des St.-Josephs-Orden, der zweite Orden der Toskana, ist ein sechsarmiges, weiß emailliertes Kreuz mit goldener Einfassung. Es ist an den Kreuzspitzen mit zwölf goldenen Kugeln besetzt. In den Kreuzwinkeln sind je drei rot emaillierte Strahlen mit goldener Einfassung eingebracht. Ein ovales Medaillon zeigt in Gold ein Bild des heiligen Joseph mit der Umschrift SIMILIS UBIQUE, den Initialen S. J. F. und der Jahreszahl 1807. Der nach oben gerichtete Kreuzarm ist mit einem rot emaillierten Bandstück an einer goldenen durchbrochenen Krone mit Tragering verbunden.

 

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